Gutenbergschule lässt Realschulen und Gymnasien hinter sich
Kultur-Staatssekretär Feller lobt bei der Preisverleihung: „ Rehau jetzt Weltmeister der Esskultur“
Was
Hauptschulen leisten können, bewies nun in eindrucksvoller Manier die
Rehauer Gutenbergschule. Die Mädchen und Jungen der Klassen 5a, 5b und
6b ließen Realschulen und Gymnasien aller Altersklassen aus ganz Bayern
hinter sich und holten sich den Gesamtsieg beim Wettbewerb
„Produktdesign und Tischkultur“ (dazu auch ein Bericht auf der Seite
„Oberfranken und Bayern“).
REHAU
– Die Mädchen und Jungen aus Rehau rissen die Arme hoch, als am
Freitagvormittag Kultur-Staatssekretär Karl Feller im Europäischen
Industriemuseum für Porzellan in Selb-Plößberg die Gutenbergschule als
Gesamtsieger verkündete. Noch größer war der Jubel vor kurzem, als die
Schule von diesem großartigen Triumph erfuhr, schließlich nahmen über
1000 Schüler, darunter auch Gymnasiasten des Leistungskurses Kunst, an
diesem Designwettbewerb teil.
Mit großem Eifer
„Wir
konnten zunächst gar nicht glauben, dass wir nicht nur unsere
Altersklasse gewonnen haben, sondern insgesamt Erster wurden. Das ist
phantastisch. Wir sind überglücklich, dass unsere Anstrengungen so
belohnt wurden“, sagte Kunstlehrerin Eva Graf im Gespräch mit unserer
Zeitung.
Die Mädchen und
Jungen der Klassen 5a, 5b und 6b überließen auch nichts dem Zufall. Mit
Feuereifer und großer Kreativität gingen die Gutenbergschüler mit ihren
Lehrern an dieses Projekt heran. Das war im Herbst vergangenen Jahres.
Die Recherche stand am Anfang. Um sich dem Thema „Produktdesign und
Tischkultur“ zu nähern, wurde in der Schule erst einmal gefrühstückt.
Die Kinder brachten ihr Geschirr von Zuhause mit und hielten den
gedeckten Tisch auf Fotos fest. Mit dem Ist-Zustand waren aber viele
nicht zufrieden. Der Satz „Wie isst du denn“, war mehrfach zu hören.
Bei einem Museumsbesuch in Rehau gingen die Schüler auf Spurensuche
nach Tischkultur und interviewten dazu Kulturamtsleiter Michael Abraham.
Zu einem Schlüsselerlebnis wurde ein Test. Es gab Pizza und
Früchtequark auf verschiedenen gedeckten Tischen – von Papptellern und
Plastikbechern bis hin zum edlen Geschirr war da alles vertreten. Die
Frage war nun: Schmeckt das Essen gleich? „Nein“, meinten die Mädchen
und Jungen: „Wir wollen nicht von Papptellern essen.“ Ab diesem
Zeitpunkt war endgültig der Ehrgeiz geweckt. All diese Vorarbeiten
leisteten fächerübergreifend die Klasse 5a und 5b mit ihren
Klassenleiterinnen Barbara Eckhardt und Ruth Schaller.
Wie weiland Martin Luther King
formulierten auch die Gutenbergschüler eine Vision: „We have a dream:
Unser Spiralenteller beeinflusst und bereichert die Tischkultur der
Zukunft, wobei der Spiralenteller nur ein Produkt aus einer
vollständigen Kollektion sein wird.“ Für den Spiralenteller entschieden
sich die Mädchen und Jungen, weil die Spirale ihrer Auffassung nach
schlichte Schönheit und pure Ästhetik verkörperte.
Die praktische Arbeit übernahm dann die Klasse 6b mit ihrer Lehrerin
Christa Eckardt. Es ging um die Gestaltung. Als Material für das
Geschirr wählten die Rehauer feinen weißen Ton. Die Tellerformen
sollten zwar vorzugsweiße rund sein, aber auch ovale und eckige sollten
dabei sein. Nicht ohne Grund. Die Schüler empfanden es als reizvoll,
wenn auf einen dreieckigen Platzteller ein runder Speiseteller steht
oder umgekehrt.
Für Stehempfänge, Partys, aber auch für ein Picknick sei es ideal, wenn
der Teller – ähnlich wie eine Palette – ein Daumenloch hat. Bei
festlichen Anlässen kann das Daumenloch als Serviettenring fungieren.
Die bereits erwähnte Spirale wird nicht nur aufgemalt, sondern leicht
erhaben modelliert. Als Farbe wählte die Gutenbergschule einerseits
vornehmes Perlenweiß und andererseits frisches, klares Blau.
Snacks auf „Snig“
Nun
galt es noch einen Produktnamen zu entwickeln. Auch hier bewiesen die
Rehauer Phantasie: Ausgehend von den Begriffen Spirale und Schnecke
kamen sie auf „Snig“. Warum nicht, zumal ihnen auch das Wortspiel
„Snig“ und Snacks, auf den Tellern wohl auch serviert werden, gut
gefiel. Also: Der Spiralenteller bekam den Namen „Snig“. Ein Name, der,
wie die Schüler finden, „wunderbar jung, unbeschwert und fröhlich“
klingt.
Von dem fertigen
Produkt war die Jury ebenso begeistert wie von der gesamten
Präsentation. So entschied die Gutenbergschule nicht nur die
Alterswertung der Klassen fünf bis sieben für sich, sondern auch die
Gesamtwertung. Dazu Staatssekretär Freller: „Die Gutenbergschule ist
jetzt Weltmeister der Esskultur.“
Juliane
Fröhlich bedankte sich im Namen ihrer Klassenkameraden für diese
Auszeichnung. Sie versprach: „Dieser Preis ist für uns Ansporn für die
Zukunft.“… mavie

Das Kreativteam der Gutenbergschule: Unser Bild zeigt (von links)
Juliane Fröhlich, Patrick Hedrich, Fee Igl, Iris Kühnel, Julia
Saalfrank und Kunstlehrerin Eva
Graf.