08.07.2006

Großer Wurf mit dem Spiralenteller

Gutenbergschule lässt Realschulen und Gymnasien hinter sich

Kultur-Staatssekretär Feller lobt bei der Preisverleihung: „ Rehau jetzt Weltmeister der Esskultur“

Was Hauptschulen leisten können, bewies nun in eindrucksvoller Manier die Rehauer Gutenbergschule. Die Mädchen und Jungen der Klassen 5a, 5b und 6b ließen Realschulen und Gymnasien aller Altersklassen aus ganz Bayern hinter sich und holten sich den Gesamtsieg beim Wettbewerb „Produktdesign und Tischkultur“ (dazu auch ein Bericht auf der Seite „Oberfranken und Bayern“).


REHAU – Die Mädchen und Jungen aus Rehau rissen die Arme hoch, als am Freitagvormittag Kultur-Staatssekretär Karl Feller im Europäischen Industriemuseum für Porzellan in Selb-Plößberg die Gutenbergschule als Gesamtsieger verkündete. Noch größer war der Jubel vor kurzem, als die Schule von diesem großartigen Triumph erfuhr, schließlich nahmen über 1000 Schüler, darunter auch Gymnasiasten des Leistungskurses Kunst, an diesem Designwettbewerb teil.

Mit großem Eifer

„Wir konnten zunächst gar nicht glauben, dass wir nicht nur unsere Altersklasse gewonnen haben, sondern insgesamt Erster wurden. Das ist phantastisch. Wir sind überglücklich, dass unsere Anstrengungen so belohnt wurden“, sagte Kunstlehrerin Eva Graf im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Mädchen und Jungen der Klassen 5a, 5b und 6b überließen auch nichts dem Zufall. Mit Feuereifer und großer Kreativität gingen die Gutenbergschüler mit ihren Lehrern an dieses Projekt heran. Das war im Herbst vergangenen Jahres. Die Recherche stand am Anfang. Um sich dem Thema „Produktdesign und Tischkultur“ zu nähern, wurde in der Schule erst einmal gefrühstückt. Die Kinder brachten ihr Geschirr von Zuhause mit und hielten den gedeckten Tisch auf Fotos fest. Mit dem Ist-Zustand waren aber viele nicht zufrieden. Der Satz „Wie isst du denn“, war mehrfach zu hören. Bei einem Museumsbesuch in Rehau gingen die Schüler auf Spurensuche nach Tischkultur und interviewten dazu Kulturamtsleiter Michael Abraham.
Zu einem Schlüsselerlebnis wurde ein Test. Es gab Pizza und Früchtequark auf verschiedenen gedeckten Tischen – von Papptellern und Plastikbechern bis hin zum edlen Geschirr war da alles vertreten. Die Frage war nun: Schmeckt das Essen gleich? „Nein“, meinten die Mädchen und Jungen: „Wir wollen nicht von Papptellern essen.“ Ab diesem Zeitpunkt war endgültig der Ehrgeiz geweckt. All diese Vorarbeiten leisteten fächerübergreifend die Klasse 5a und 5b mit ihren Klassenleiterinnen Barbara Eckhardt und Ruth Schaller.
Wie weiland Martin Luther King formulierten auch die Gutenbergschüler eine Vision: „We have a dream: Unser Spiralenteller beeinflusst und bereichert die Tischkultur der Zukunft, wobei der Spiralenteller nur ein Produkt aus einer vollständigen Kollektion sein wird.“ Für den Spiralenteller entschieden sich die Mädchen und Jungen, weil die Spirale ihrer Auffassung nach schlichte Schönheit und pure Ästhetik verkörperte.
Die praktische Arbeit übernahm dann die Klasse 6b mit ihrer Lehrerin Christa Eckardt. Es ging um die Gestaltung. Als Material für das Geschirr wählten die Rehauer feinen weißen Ton. Die Tellerformen sollten zwar vorzugsweiße rund sein, aber auch ovale und eckige sollten dabei sein. Nicht ohne Grund. Die Schüler empfanden es als reizvoll, wenn auf einen dreieckigen Platzteller ein runder Speiseteller steht oder umgekehrt.
Für Stehempfänge, Partys, aber auch für ein Picknick sei es ideal, wenn der Teller – ähnlich wie eine Palette – ein Daumenloch hat. Bei festlichen Anlässen kann das Daumenloch als Serviettenring fungieren. Die bereits erwähnte Spirale wird nicht nur aufgemalt, sondern leicht erhaben modelliert. Als Farbe wählte die Gutenbergschule einerseits vornehmes Perlenweiß und andererseits frisches, klares Blau.

Snacks auf „Snig“

Nun galt es noch einen Produktnamen zu entwickeln. Auch hier bewiesen die Rehauer Phantasie: Ausgehend von den Begriffen Spirale und Schnecke kamen sie auf „Snig“. Warum nicht, zumal ihnen auch das Wortspiel „Snig“ und Snacks, auf den Tellern wohl auch serviert werden, gut gefiel. Also: Der Spiralenteller bekam den Namen „Snig“. Ein Name, der, wie die Schüler finden, „wunderbar jung, unbeschwert und fröhlich“ klingt.

Von dem fertigen Produkt war die Jury ebenso begeistert wie von der gesamten Präsentation. So entschied die Gutenbergschule nicht nur die Alterswertung der Klassen fünf bis sieben für sich, sondern auch die Gesamtwertung. Dazu Staatssekretär Freller: „Die Gutenbergschule ist jetzt Weltmeister der Esskultur.“

Juliane Fröhlich bedankte sich im Namen ihrer Klassenkameraden für diese Auszeichnung. Sie versprach: „Dieser Preis ist für uns Ansporn für die Zukunft.“…   mavie


Das Kreativteam der Gutenbergschule: Unser Bild zeigt (von links) Juliane Fröhlich, Patrick Hedrich, Fee Igl, Iris Kühnel, Julia Saalfrank und Kunstlehrerin Eva Graf.        




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